Adventsgeschichten

Liebe Schülerinnen und Schüler,

das Weihnachtsfest steht nun unmittelbar vor der Tür. Vier Kerzen brennen auf dem Adventskranz – der Kreis ist geschlossen. Die Zeit des Wartens geht zu Ende und die Ankunft oder auch das Ziel ist ganz nah. An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus Christus, ein Mensch, der uns Menschen von Gott gesandt wurde, um uns daran zu erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist. Im Jahr 2020 haben viele Familien erleben müssen, dass Gesundheit kostbar und unbezahlbar ist. Sie ist wirklich wichtig!

Menschen um sich zu haben, von denen man geliebt wird und die man selbst auch liebt, ist genauso kostbar und unbezahlbar. Sich gegenseitig Gutes zu tun ist deshalb auch wirklich wichtig! Deshalb wünschen wir Euch und Euren Lieben in diesem Jahr ein liebevolles und herzerfüllendes Weihnachtsfest und für das Jahr 2021 ganz viel Geduld, Vorfreude, Hoffnung, Ruhe und Liebe – denn all das braucht man nicht nur an Weihnachten!Herzlichst,

Euer Förderverein der Grundschule Nord Hennigsdorf e. V.

Oder du möchtet selbst eine Geschichte oder ein Gedicht schreiben? Dann schick es uns und wie veröffentlichen dein Werk hier. Wir freuen uns auf viele Vorschläge!

4. Advent: Eine denkwürdige Herbergssuche
von Eckhard Leyser

Weihnachten nahte, das Fest der Liebe und der Geburt Jesu. Für Jonas war das Weihnachtsfesteinfach das Höchste. Am meisten freute er sich auf den geschmückten Weihnachtsbaum, das Lichtder vielen Kerzen und den Duft von frisch gebackenem Weihnachtsgebäck. Besonders wichtig war für ihn, dass er in diesem Jahr wieder beim Spiel der Herbergssuchemitmachen durfte.

Als Viertklässler der Grundschule war dies wohl zum letzten mal, da er danach zueiner anderen Schule wechseln würde. Er spielte den Wirt bei der Herbergssuche von Maria undJosef, nicht gerade die Hauptrolle aber dennoch wichtig für die Handlung. Wochenlang hatten sie aufder Bühne des Bürgerhauses geprobt. Frau Müller, seine Klassenlehrerin, legte besonderen Wert aufgute Aussprache und ein glaubwürdiges Auftreten.Pfarrer Lehmann hatte sie im Religionsunterricht noch einmal intensiv eingestimmt auf diebesondere Situation von Maria und Joseph, die sich vor 2000 Jahren abgespielt hatte.

Er zog auchParallelen zu heute, wo immer noch auf der ganzen Welt Flüchtlinge unterwegs seien, denenniemand helfen würde. Das beeindruckte Jonas sehr, denn er kam aus seiner sehr sozial eingestelltenFamilie. Seine Mutter half regelmäßig bei der Bad Dürkheimer Tafel aus und verteilte Essen anBedürftige. Sein Vater war ehrenamtlich bei der Feuerwehr Maxdorf und bei den meisten Einsätzenimmer einer der Ersten am Einsatzort ohne Rücksicht auf Schlaf oder Gesundheit.Endlich kam der 4. Adventssonntag. Pünktlich trafen Schüler und Lehrer im Bürgerhaus ein, um nocheinmal zu prüfen, ob auch alles klappen würde.

Etwas später kamen nacheinander die restlichen Schüler mit ihren Lehrern hinzu. Der Saal füllte sichzusätzlich mit Eltern, Großeltern, Verwandten und Gästen. Viele hatten Kameras und Camcorderdabei, um das Ereignis festzuhalten. Die Stimmung war aufgeregt und von angespannter Erwartunggeprägt. Die Gespräche schwollen zu einem immer stärkeren Summen an, weil sich die Menschen so viel zusagen hatten.

Viele winkten ihren Kindern auf der Bühne zu, um zu zeigen, dass sie sich auf dieVorführung freuten. Auch Jonas Eltern waren erschienen.Endlich bat die Schuldirektorin Frau Beckmann energisch um Ruhe. Sie begrüßte alle Gäste und batFrau Müller, mit dem Stück zu beginnen. Die Bühne war herrlich geschmückt mit Bäumen, Kerzen,Weihnachtssternen und einer bunten Häuserkulisse. Blickfang war im Schatten eines stattlichenWeihnachtsbaumes ein heimeliger Stall mit Kindern, die sich als Ochsen, Esel und Schafe verkleidethatten.

In der Mitte stand eine kleine hölzerne Krippe. Als erstes sang der Kinderchor.Teresa schilderte anschließend zur Einstimmung aus dem Lukas-Evangelium, in welcher NotlageMaria und Joseph sich damals befanden. Maria war hochschwanger und die Stadt völlig überfüllt.Anna spielte die verzweifelte Maria und Sven den überaus besorgten Joseph. „Wie geht es DirMaria?“ fragte er mit eindringlichem Blick auf sein Weib, die ihm antwortete „Ich kann nicht mehrlange, Joseph. Komm wir versuchen, eine Unterkunft zu finden.“

Als erstes klopften sie an die Tür desSchmiedes. Patrick, der den Schmied darstellte, öffnete die Tür und stellte sich breitbeinig davor. Erhatte ein geschwärztes Gesicht und zeigte eine grimmige Miene. In der Hand hielt er einen großenHammer. „Was wollte ihr denn mitten in der Nacht“ fragte er mit lauter und drohender Stimme. „OhHerr“, bat Joseph mit weicher Stimme, „mein Weib ist hochschwanger. Wir suchen eine Bleibe nurfür eine Nacht. Habt Erbarmen mit uns!“. „Ich habe für Gesindel wie euch keinen Platz! Macht, dassihr wegkommt!“ Sprach’s und schlug die Tür so fest zu, dass ein Baum aus der Dekoration umfiel.Einige Kinder aus dem Publikum lachten, doch Jonas war erschrocken über so viel Herzlosigkeit.

Er hatte zwar die Szene schon oft in den Proben erlebt, doch es ging ihm immer noch sehr an seinweiches Gemüt. Der Kinderchor sang ein kleines Lied über die Herbergssuche während sich Mariaund Joseph zum nächsten Haus aufmachten.Dieses mal klopften sie beim Bäcker, der von Lukas gespielt wurde. Er war ganz weiß angezogen undstaubig vom Mehl. „Wer stört mich mitten in der Nacht“ polterte er „Ich muss Brot backen für dievielen hungrigen Mäuler!“. „Habt Erbarmen, Herr“ jammerte Joseph. „Mein Weib kommt heuteNacht nieder und wir haben keine Unterkunft!“ „Mit mir hat auch niemand Erbarmen“ entgegneteder Bäcker schroff. Schafft euch fort, sonst lasse ich die Hunde los!“ Maria und Joseph zucktenzusammen und hielten sich an den Händen, als wenn sie sich gegenseitig schützen wollten.

Wieder sang der Kinderchor eine Strophe. Nun begaben sich Maria und Joseph zum dritten undletzten Haus, das von Jonas besetzt war. Er spielte den Wirt und sah sehr glaubwürdig aus mit seinerspeckigen Schürze und dem Küchentuch über der Schulter. „Wir sind ganz verzweifelt und am Ende,gebt uns doch ein Obdach nur für eine Nacht!“ sprach Joseph und sah Jonas eindringlich an. Mariahielt ihren Leib und lehnte sich an Joseph. Jonas traute seinen Augen nicht. Maria weinte sogar undvergoss dicke Tränen, die ihre Wangen herunter liefen.Jonas spürte, wie sich sein Magen verkrampfte und seine Hände zitterten.

Er wusste, dass er nun alserstes sagen musste: Schert euch weg, ihr Lumpenpack! Ihr habt mit gerade noch gefehlt. Kein Geld,die Frau hochschwanger und dann noch unverschämt werden! Danach sollte er sie in den Stallverweisen, wo sie zwischen den Tieren nächtigen sollten. Doch er brachte kein Wort heraus. FrauMüller, seine Lehrerin, hatte das Buch mit dem Text vor sich und formte mit ihren Lippen unhörbareWorte. Die anderen Kinder zischten und flüsterten ihm den Text zu, doch Jonas wollte nicht. Erspürte, dass hier etwas Entscheidendes passierte.

Er spürte wie ihm sein Herz bis zum Halse schlug. Doch er holte tief Luft und sagte laut und deutlich:„Nein, ich werde euch nicht abweisen. Es kann nicht sein, dass unser lieber Heiland in einem Stall zurWelt kommen muss. Bitte nehmt mein Zimmer und mein Bett. Mein Weib und ich können uns füreine Nacht behelfen. Ich will dafür sorgen, dass es euch an nichts fehlt!“ Sprach’s, machte die Türweit auf und umarmte dass Paar.Maria und Joseph waren sichtlich perplex, ließen sich aber umarmen und standen schließlich verwirrtda angesichts dieser außergewöhnlichen Entwicklung. Sie schauten zu Frau Müller, die mit offenem Mund und kerzengerade aufgerichtet auf ihrem Regieplatz saß.

Die anderen Kinder auf der Bühnewaren ebenfalls sprachlos. Die verkleideten Ochsen, Esel und Schafe kamen aus ihrem Stall, um Jonasmit Maria und Joseph zu sehen. Die Engel, die Hirten und der Chor schlossen sich an. Alle Besucherim Saal waren aufgestanden. Schließlich löste sich die Spannung und Applaus kam auf, der sichschnell zu einer ohrenbetäubenden Ovation mit Bravo-Rufen steigerte.Die Schuldirektorin betrat die Bühne und wartete, bis der Applaus abebbte. Sie meinte, dass heuteetwas ganz Besonderes geschehen sei. Jonas sei offenbar so ergriffen gewesen, dass er die Bitte vonMaria und Joseph nicht abschlagen konnte. „Stimmt’s Jonas? Jonas antwortete, noch ganzbenommen von der Situation: „Ich konnte einfach nicht mehr nein sagen, es tut mir leid.“

„Aber nein“, meinte die Direktorin und strich Joans sanft über das Haar. „Das muss dir nicht leid tun.Dein Beispiel sollte uns vielmehr zu denken geben, dass auch heute Mitleid viel zu selten vorkommtund der Egoismus die Oberhand behält. Nehmen wir uns Jonas zum Vorbild und hören wir mehr aufunser Herz! Ich danke allen Mitwirkenden und wünsche Ihnen nun Fröhliche Weihnachten und eingutes neues Jahr!“

Lang anhaltender Beifall folgte. Jonas wurde von einigen Vätern auf die Schultern genommen und imTriumphzug von der Bühne getragen. Sein Vater klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. SeineMutter umarmte und küsste ihn. Aber auch im Publikum zeigte sich eine sonderbare Verwandlung. Fast alle Menschen gaben sichspontan die Hand und wünschten sich gegenseitig fröhliche Weihnachten. Manche umarmten sichsogar.

Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll von dieser denkwürdigen Herbergssuche. Viele Pfarrergingen auf dieses Ereignis in ihren Weihnachtspredigten ein und appellierten für mehr Nächstenliebeunter den Menschen.Jonas studierte übrigens später Pädagogik und ging nach Afrika als Entwicklungshelfer, wo er seineBestimmung fand.

Quelle: https://www-weihnachten.de/weihnachtsgeschichten/denkwuerdige_Herbergssuche.htm

Tipp für diese Woche:Ab auf’s Sofa mit der Familie und schaut Euch zusammen diesen lustigen Weihnachtsklassiker an:

https://www.youtube.com/watch?v=TIxaHLor3M8&list=PLIHrFDL62XX5hEzlaTSxCoCPtNF0fnCo3